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Hubert Teaser
Hubert – Copyright: Brocap Studio

Schafe hüten, durch die Natur streifen und die Welt einfach einmal mit anderen Augen – oder besser: einer anderen Nase – erleben. Hubert schickt uns als Hütehund in ein charmantes Abenteuer, das lieber auf Atmosphäre und Geschichte als auf große Explosionen setzt. Spielerisch lief bei unserem Hands-on noch nicht alles rund, doch die Idee dahinter hat definitiv ihren Reiz.


Es gibt Spiele, in denen retten wir die Welt. Andere lassen uns Dämonen zerlegen, Königreiche erobern oder wenigstens den nächsten Weltuntergang verhindern. Und dann gibt es Hubert. Da sind wir Hund.

Genauer gesagt ein ziemlich selbstbewusster Hütehund, dessen Alltag zunächst daraus besteht, Schafe zusammenzuhalten, durch die Landschaft zu streifen und gemeinsam mit Lily seinen Job zu erledigen. Klingt überschaubar. Wobei jeder, der schon einmal versucht hat, auch nur einen Hund davon zu überzeugen, nicht genau jetzt dort drüben zu schnüffeln, vermutlich ahnt, dass „überschaubar“ relativ ist.

Brocap Studio schlägt mit Hubert jedenfalls bewusst leisere Töne an. Das Third-Person-Abenteuer erzählt von der Beziehung zwischen Hund und Mensch, von Vertrauen und davon, wie Hubert seine Umgebung wahrnimmt. Gleichzeitig wartet jenseits der vertrauten Weiden eine Wildnis, die offenbar nicht ganz so friedlich ist, wie sie zunächst wirkt.

Vielleicht stirbt diesmal einfach niemand

Die Idee dahinter entstand offenbar auch aus dem Wunsch nach einem Kontrastprogramm. Martin Mejzlík von Brocap Studio erzählt uns im Interview, dass er zuvor rund zehn Jahre an Spielen wie Mafia, Shootern und generell deutlich gewalttätigeren Titeln gearbeitet habe. Danach sei der Gedanke aufgekommen, einfach einmal etwas anderes zu machen: ein Spiel zum Durchatmen. Vielleicht eines, in dem nicht ständig jemand stirbt – und in dem stattdessen ein niedliches Tier im Mittelpunkt steht.

Das Tier wurde Hubert. Diese Haltung merkt man dem Spiel an.

Unsere Session auf dem Steam Deck vermittelte vor allem Ruhe. Wir streiften durch die Umgebung, kümmerten uns um unsere Aufgaben und lernten langsam die Welt und ihre Figuren kennen. Die Geschichte deutet dabei durchaus an, dass Huberts Reise nicht nur aus glücklichen Schafen und entspannten Spaziergängen bestehen wird.
Im Zentrum soll eine abgeschlossene, lineare Geschichte mit Anfang, Mitte und Ende stehen. Ein wichtiger Bestandteil davon ist die Beziehung zwischen Hubert und seinem Menschen sowie seine Rolle als Arbeitshund.

Infos zum Spiel

Die Welt riecht für Hubert vermutlich ganz anders

Spannend ist vor allem der Perspektivwechsel.

Natürlich können wir nicht tatsächlich wissen, wie ein Hund seine Umwelt erlebt. Genau diese Frage beschäftigte Mejzlík aber während der Entwicklung. Er selbst habe Hunde und sich oft gefragt, was sie denken oder tun, wenn der Mensch beispielsweise das Haus verlässt.

Die Herausforderung bestand deshalb darin, die Wahrnehmung eines Hundes in etwas zu übersetzen, das wir als Menschen beim Spielen nachvollziehen können. Schließlich sitzen am Ende weiterhin wir vor dem Bildschirm – auch wenn Hubert auf vier Pfoten unterwegs ist.

Das eröffnet spielerisch interessante Möglichkeiten. Hubert orientiert sich über Bewegung, Instinkt und Gerüche, hütet seine Schafe und erkundet eine Welt, die aus seiner Perspektive andere Schwerpunkte bekommt als bei einem menschlichen Protagonisten.

In unserer Session funktionierte das grundsätzlich gut. Ganz rund fühlte sich Hubert allerdings noch nicht an.

Vor allem Bewegungen und manche Interaktionen wirkten auf dem Steam Deck etwas hakelig und ließen noch die nötige Präzision vermissen. Das war kein grundlegendes Problem, aber durchaus etwas, das auffiel. Bis zum Release darf Brocap Studio hier gerne noch ein wenig nachbürsten.

Kein Grafikmonster – muss es aber auch nicht sein

Auch technisch sollte man kein Grafikfeuerwerk erwarten.

Hubert will offensichtlich nicht mit möglichst vielen Polygonen, Raytracing-Pfützen und einzeln modellierten Hundehaaren beeindrucken. Der Look ist vergleichsweise schlicht, besitzt dafür aber einen angenehmen eigenen Charme.

Und das reicht zunächst vollkommen.

Die Naturkulisse unterstützt den entspannten Grundton, während die Geschichte immer wieder andeutet, dass unter der gemütlichen Oberfläche noch etwas mehr lauert. Gerade diese Mischung könnte langfristig interessant werden: ein Spiel, das zunächst Cozy-Vibes verbreitet, ohne deshalb völlig auf Spannung zu verzichten.

Zumal wir eine noch nicht finale Version gespielt haben. Einige technische Ecken und Kanten sind deshalb für unseren Ersteindruck wichtiger als irgendeine Pixelzählerei.

Mit Huberts Ohren hören

Besonders interessant wird die Hundeperspektive beim Sound.

Mejzlík erklärt im Interview, dass die Musik weiterhin für menschliche Ohren komponiert beziehungsweise ausgewählt werde. Beim eigentlichen Soundscape versuche das Team allerdings stärker zu berücksichtigen, wie ausgeprägt insbesondere der Hörsinn eines Hundes ist.

Geräusche sollen dadurch stärker hervortreten und dabei helfen, Huberts Wahrnehmung der Welt zu vermitteln. Gleichzeitig möchte das Team nicht jede Szene permanent mit Musik zukleistern. Bei einer linearen Geschichte könne man gezielt überlegen, wie sich Spieler in einem bestimmten Moment fühlen sollen: Braucht die Szene musikalische Unterstützung – oder lässt man sie einfach atmen und hört der Natur zu?

Welche Variante besser funktioniert, versucht Brocap Studio unter anderem über Playtests herauszufinden. Das passt gut zu unserem Eindruck. Gerade die ruhigeren Passagen profitieren davon, dass Hubert nicht ständig versucht, Aufmerksamkeit zu erzwingen. Manchmal darf ein Hund eben auch einfach Hund sein.

nice to know

Hubert war ursprünglich deutlich größer gedacht. Mejzlík bezeichnet die frühe Idee im Interview scherzhaft als eine Art „Last of Dogs“. Der geplante Umfang erwies sich allerdings schnell als zu ambitioniert. Nach mehreren Prototypen entstand daraus schließlich das deutlich fokussiertere, lineare Abenteuer um einen Hütehund und seine Beziehung zu seinem Menschen.

Wer ist hier eigentlich der beste Junge?

Hubert hat uns nach der Anspielsession noch nicht komplett überzeugt – aber neugierig gemacht.

Spielerisch fehlt momentan noch etwas Feinschliff. Vor allem die stellenweise hakelige Steuerung und einige Bewegungsabläufe stehen dem ansonsten entspannten Spielfluss noch im Weg. Dafür besitzt das Spiel viel Charme.

Die Perspektive eines Arbeitshundes, die Beziehung zwischen Hubert und Lily sowie der bewusste Fokus auf eine abgeschlossene Geschichte machen das Abenteuer sympathisch. Auch der eher einfache Grafikstil passt zur ruhigen Ausrichtung und muss sich nicht dafür entschuldigen, kein technisches Feuerwerk zu sein.

Und offenbar verfolgt Brocap Studio am Ende sowieso ein ganz anderes Ziel. Auf unsere Frage, welches Gefühl Spieler nach dem Abspann mitnehmen sollen, antwortet Mejzlík ziemlich trocken:

„Du solltest danach ins Tierheim gehen und dir einen Hund holen.“ – Martin Mejzlík, Brocap Studio

Also ins Tierheim gehen und einen Hund adoptieren. Ob Hubert dieses Ziel tatsächlich erreicht, sehen wir bald. Die Voraussetzungen für ein charmantes Abenteuer auf vier Pfoten sind jedenfalls vorhanden. Hubert erscheint am 12. Oktober 2026. Auf Steam steht bereits eine spielbare Demo zur Verfügung.

Ersteindruck

Hubert braucht spielerisch noch etwas Feinschliff. Gerade auf dem Steam Deck fühlten sich Bewegungen und manche Interaktionen während unserer Session noch etwas hakelig an. Dahinter steckt aber ein sympathisches Abenteuer mit einer schönen Grundidee, einer vielversprechenden Geschichte und einem angenehm ruhigen Ton. Die Hundeperspektive funktioniert besonders beim Sound interessant, während der schlichte Grafikstil vollkommen zum Konzept passt. Kein großes Spektakel – aber vielleicht genau die richtige Art von Spiel, um zwischendurch einfach einmal auf vier Pfoten durchzuatmen.


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