The Witcher 3: Songs of the Past
The Witcher 3: Songs of the Past – Copyright: CD PROJEKT RED

Geralt kehrt zurück – und auch musikalisch fühlt sich The Witcher 3: Wild Hunt – Songs of the Past erstaunlich vertraut an. Fünf vorab veröffentlichte Stücke zeigen bereits, wie Marcin Przybyłowicz, Magda Urbańska und Daniel Elms den bekannten Witcher-Klang weiterführen. Dazu kehrt mit Percival ein entscheidender Teil seiner musikalischen DNA zurück.


Elf Jahre sind vergangen, seit The Witcher 3: Wild Hunt Geralt auf eine Reise durch Velen, Novigrad und Skellige geschickt hat. Trotzdem reichen oft wenige Takte, um musikalisch wieder mitten in dieser Welt zu stehen.

Das liegt auch daran, dass die Witcher-Spiele und ihre Erweiterungen nie einfach nur einen Soundtrack besaßen. Sie hatten eine musikalische Identität. Hauptthemen, Instrumente und Melodien tauchten wieder auf, wurden verändert und neu interpretiert – und trotzdem entwickelten selbst Hearts of Stone und Blood and Wine ihren ganz eigenen Klang. Mit Songs of the Past scheint genau dieses Prinzip zurückzukehren.

CD Projekt RED hat fünf Stücke aus der kommenden Erweiterung vorab veröffentlicht. Sie geben einen ersten Eindruck davon, wie Geralt im kommenden Jahr musikalisch wieder auf den Pfad geschickt wird. Der offizielle Gamescom-Soundtrack umfasst:

  • Into Darkness – Daniel Elms
  • Awoken – Magda Urbańska
  • What’s Done – Marcin Przybyłowicz
  • Return to the Path – Magda Urbańska
  • Belleteyn Night – Magda Urbańska

Damit verteilt sich die erste musikalische Kostprobe gleich auf drei Komponisten.

Es klingt wieder nach The Witcher

Das Entscheidende ist dabei weniger, dass einzelne bekannte Klangfarben wieder auftauchen. Viel wichtiger ist das Gefühl, das diese ersten Stücke vermitteln.

Songs of the Past klingt bislang tatsächlich wieder nach The Witcher. Marcin Przybyłowicz feuert mit What’s Done erneut einen Beitrag ab, der sich unmittelbar in diesen bekannten musikalischen Kosmos einfügt. Gleichzeitig zeigen Magda Urbańska und Daniel Elms schon jetzt, dass dieser Klang nicht allein an einen Komponisten gebunden sein muss.

Die ersten Stücke wirken eingängig, teilweise wuchtig und unmittelbar vertraut. Gleichzeitig kann die Musik leicht und beinahe fröhlich werden. Genau dieser Wechsel gehörte schon immer zu den Stärken der Reihe: düstere Bedrohung und melancholische Schwere auf der einen, warme, lebendige oder beinahe ausgelassene Momente auf der anderen Seite.

Infos zum Spiel

  • Release: 2027
  • Plattform: PS5, Xbox Series X|S, PC, Nintendo Switch 2
  • Entwickler: CD Projekt Red/Fool’s Theory
  • Offizielle Website

Gerade diese Bandbreite ist wichtig. The Witcher bestand musikalisch schließlich nie nur aus rauen Stimmen, Streichern und aggressiven Folk-Instrumenten.

Bereits 2015 erklärte uns Marcin Przybyłowicz, dass es bei The Witcher 3 darum ging, eine eigene musikalische Identität zu entwickeln und dabei slawische Rohheit mit epischen und lyrischen Elementen eines Orchesters zu verbinden. Gleichzeitig sollten Velen, Novigrad und Skellige jeweils unverwechselbar klingen, ohne dass der Soundtrack als Ganzes auseinanderfällt.

Genau darin liegt nun eine der spannendsten Aufgaben von Songs of the Past: Die Erweiterung muss vertraut klingen – und trotzdem eine eigene musikalische Handschrift für Letten entwickeln.

Eine neue Region braucht einen eigenen Klang

Auch Karolina Kuzia-Rokosz bestätigte uns auf der Gamescom, dass für Songs of the Past neue Stücke entstehen. Das Audio-Team bei CD Projekt RED wird dabei von Senior Composer Magda Urbańska angeführt, unterstützt unter anderem von Marcin Przybyłowicz. Gleichzeitig deutete sie an, dass die namensgebenden „Songs of the Past“ selbst eine wichtige Rolle innerhalb der Geschichte spielen werden.

Das macht die Musik dieses Mal besonders interessant.

Letten soll sich einerseits selbstverständlich in die Welt von The Witcher 3 einfügen, gleichzeitig aber als neue Region erkennbar bleiben. Schon bei unserer Gamescom-Präsentation zeigte sich dieser Ansatz visuell: polnische Landschaften und ländliche Architektur treffen auf Einflüsse, die mit Rittersporns adliger Herkunft verbunden sind.

Die Musik steht damit vor derselben Aufgabe wie die Welt selbst: Sie muss bekannt und neu zugleich sein.

Ein Prinzip, das Przybyłowicz schon bei The Witcher 3 verwendete. In unserem Interview von 2015 beschrieb er, wie wiederkehrende Themen je nach Region mit anderen Instrumenten neu orchestriert wurden. Dadurch blieben Figuren und zentrale Motive musikalisch verbunden, während Orte trotzdem eine eigene Identität erhielten.

Songs of the Past könnte genau diese Idee nun für Letten fortsetzen.

Musik entsteht nicht unabhängig von der Geschichte

Besonders spannend ist dabei, wie eng Musik und Questdesign miteinander verzahnt werden.

Senior Quest Designer Despoina Anetaki erklärte uns im Gespräch, dass Questdesigner direkt mit den Komponisten zusammenarbeiten. Musik und Handlung entstehen demnach nicht unabhängig voneinander. Die Komponisten sollen wissen, welche Geschichte eine Szene erzählt und welche Emotion beim Spieler entstehen soll.

Game Director Jakub Rokosz beschreibt den Ansatz ähnlich. Musik sei ein integraler Bestandteil der Witcher-Spiele. Bereits im Hauptspiel wurde viel Aufwand betrieben, damit sie dynamisch auf das Geschehen reagieren und Spannung oder Emotionen verstärken kann. Genau diesen Ansatz wolle das Team auch bei Songs of the Past weiterführen.

Das ist mehr als eine nette Randnotiz.

Denn gerade The Witcher 3 lebt musikalisch davon, dass Musik nicht nur unter einer Szene liegt. Sie kommentiert Orte, Figuren und Situationen. Sie kann einen Kampf aggressiver wirken lassen, einer Landschaft Melancholie geben oder einen eigentlich kleinen Moment emotional aufladen.

Und offenbar wird auch bei Songs of the Past zunächst gefragt: Was soll der Spieler hier fühlen?

Erst dann müssen Questdesign, Inszenierung, Umgebung und Musik gemeinsam darauf hinarbeiten.

Percival kehrt zurück – und damit ein Teil der musikalischen DNA

Hinzu kommt ein Name, der für die Identität von The Witcher 3 kaum unwichtiger sein könnte: Percival Schuttenbach kehrt für den Soundtrack zurück.

Schon während der Entwicklung von Wild Hunt arbeitete Marcin Przybyłowicz eng mit der polnischen Folk-Gruppe zusammen. In unserem damaligen Interview erklärte er, dass die starke Verankerung des Spiels in slawischer Mythologie einer der Gründe dafür gewesen sei, gezielt Musiker einzubinden, die sich professionell mit dieser Art von Musik beschäftigen.

Aus diesem Austausch entwickelte sich ein entscheidender Teil dessen, was wir heute als typischen Witcher-Klang wahrnehmen. Despoina Anetaki bestätigte uns auf der Gamescom ebenfalls Percivals Rückkehr und verwies auf die Vielzahl an Musikern und Komponisten, die am neuen Soundtrack beteiligt sind.

Wichtig ist dabei: Percivals Beteiligung bedeutet nicht, dass Songs of the Past einfach den Soundtrack von 2015 kopieren muss. Im Gegenteil.

Die spannendere Frage ist, ob es dem Team gelingt, dieselben musikalischen Wurzeln zu nehmen und daraus etwas zu entwickeln, das eindeutig zu Letten gehört.

Auch technisch bekommt der Witcher-Sound ein Update

Nicht nur bei den Kompositionen hat sich seit 2015 etwas getan. Miles Tost sprach mit uns auf der Gamescom auch über technische Änderungen unter der Haube. Teile der Audio-Pipeline der Engine wurden überarbeitet, wovon unter anderem der räumliche Klang profitieren soll.

Für einen Soundtrackartikel klingt das zunächst nach einem technischen Nebenschauplatz. Für ein Spiel, das Musik und Atmosphäre so eng miteinander verbindet, ist es das allerdings nicht ganz. Wie Musik im Raum wirkt, wie Geräusche und Score zusammenspielen und wie deutlich eine Umgebung akustisch wahrgenommen wird, kann entscheidend dazu beitragen, ob sich Letten tatsächlich wie ein neuer Ort anfühlt – oder lediglich wie ein weiterer Teil der alten Karte.

Miles Tost (CD PROJEKT RED) und Karolina Kuzia-Rokosz (Fool's Theory) - Copyright: ICO-Radio
Miles Tost (CD PROJEKT RED) und Karolina Kuzia-Rokosz (Fool’s Theory) – Copyright: ICO-Radio

Unser Höreindruck: Zurück auf dem Pfad

Fünf Stücke reichen natürlich noch nicht aus, um über den vollständigen Soundtrack von Songs of the Past zu urteilen. Sie reichen aber, um eine Richtung erkennen zu lassen.

Und die gefällt uns bislang ausgesprochen gut.

Marcin Przybyłowicz bringt sofort wieder diese unverkennbare Witcher-DNA mit. Magda Urbańska und Daniel Elms versuchen zugleich nicht, lediglich alte Stücke nachzubauen, sondern führen den bekannten Klang hörbar weiter. Wuchtige und eingängige Passagen stehen bereits jetzt leichteren und fröhlicheren Momenten gegenüber.

Vor allem aber besitzt die Musik wieder etwas, das für The Witcher entscheidend ist: Identität.

Jeder Teil und jede große Erweiterung hatte bislang einen Klang, ein Thema oder bestimmte musikalische Motive, die irgendwann untrennbar mit der jeweiligen Reise verbunden waren. Wenn die fünf ersten Stücke tatsächlich ein Vorgeschmack darauf sind, was uns in Letten erwartet, könnte Songs of the Past diese Tradition ziemlich überzeugend fortsetzen.

Geralt ist noch nicht zurück. Aber wenn man die Augen schließt, kann man den Pfad schon wieder hören.


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