
The Witcher in Concert liefert in Hamburg ein starkes Musikerlebnis, verschenkt aber Potenzial bei Ambiente, Merch und Inszenierung.
Wenn die ersten Töne aus The Witcher 3 durch die Halle ziehen, braucht es nicht viel, um wieder in diese Welt zurückzufallen: in Sümpfe, Tavernen, Schlachtfelder und jene melancholischen Zwischenräume, in denen Geralt von Riva meistens mehr findet als nur den nächsten Auftrag. The Witcher in Concert machte im November 2025 in Hamburg genau dort weiter, wo das Spiel bei vielen längst einen festen Platz im Gedächtnis hat: bei seiner Musik.
Und die war an diesem Abend klar der größte Trumpf. Das Orchester spielte stark, präzise und mit genau jener Mischung aus Wucht, Folklore und Melancholie, die den Soundtrack bis heute auszeichnet. Die Auswahl der Stücke war ebenfalls gelungen: Vom Hauptspiel bis zu den Erweiterungen bekam man einen schönen Querschnitt, der nicht nur die großen Fan-Momente bediente, sondern auch die Breite dieser Musik zeigte. Kein liebloses Best-of, sondern ein stimmiger Ritt durch Geralts Welt.
Wenn Bilder helfen – und manchmal stören
Begleitet wurde das Konzert von Bewegtbildern aus dem Witcher-Universum. Das funktionierte grundsätzlich gut, weil viele Szenen sofort wieder Erinnerungen wachriefen: Man war gedanklich schnell zurück bei alten Entscheidungen, alten Weggefährten und alten Wunden. Gleichzeitig lag darin aber auch ein kleiner Zielkonflikt. Die Visuals waren nett und atmosphärisch, zogen den Blick stellenweise aber so stark auf sich, dass die eigentliche Live-Leistung etwas in den Hintergrund rückte.
Das ist bei Game-Concerts immer eine Gratwanderung: Zu wenig Bild wirkt schnell trocken, zu viel Bild macht aus Musikerinnen und Musikern Begleitpersonal zur Leinwand. In Hamburg kippte es nicht dramatisch, aber spürbar. Gerade weil das Orchester so gut spielte, hätte man ihm manchmal noch mehr Raum gönnen dürfen.

Viel Klang, wenig Zauber drumherum
Weniger überzeugend war das Ambiente in der Halle. Musikalisch war der Abend stark, visuell auf der Leinwand solide – doch der Raum selbst blieb erstaunlich nüchtern. Mit Licht, Farben und einem etwas mutigeren Konzept hätte man deutlich mehr Witcher-Stimmung erzeugen können. Gerade diese Welt schreit ja förmlich nach Kontrasten. Stattdessen blieb vieles funktional. Nicht schlecht. Aber eben auch nicht magisch und dabei kann die Barclays Arena deutlich mehr.
Enttäuschend fiel zudem das Merch-Angebot aus. Bei einem Konzert, das sich so stark über Musik definiert, wäre zumindest ein Angebot an Alben, Vinyls, CDs oder besonderen Soundtrack-Editionen naheliegend gewesen. Stattdessen wirkte der Merch-Bereich eher pflichtschuldig als liebevoll kuratiert. Auch hier verschenkte die Veranstaltung Potenzial: Wer nach so einem Abend emotional abgeholt ist, möchte vielleicht nicht nur ein Shirt kaufen, sondern ein Stück dieser Musik mit nach Hause nehmen.
