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Hela: Of Mice & Magic - Copyright: Windup Games
Hela: Of Mice & Magic – Copyright: Windup Games

Eine kleine Maus, ein magischer Froschrucksack und Koop-Rätsel, die Erinnerungen an Unravel wecken: Wir haben Hela: of Mice & Magic angespielt und mit Studioleiter Alexander Benitez gesprochen.


Eine kleine Maus, ein magischer Froschrucksack und die ausgesprochen vernünftige Idee, einfach mal durch einen hübschen Wald zu spazieren. Hela: of Mice & Magic sieht auf den ersten Blick nach einem jener Spiele aus, bei denen selbst die größten Probleme vermutlich mit einer Tasse Tee und etwas gutem Willen gelöst werden können. Ganz so einfach macht es Wind-Up Games seinen kleinen Helden allerdings nicht. Spätestens wenn mehrere Mäuse gemeinsam an einem Rätsel zerren, Dinge durch die Gegend schleudern oder irgendwo hochkommen sollen, wird aus dem gemütlichen Waldspaziergang ziemlich schnell koordinierter Mäusewahnsinn.

Im Mittelpunkt steht eine gutherzige Hexe, die das Land seit langer Zeit beschützt. Als sie erkrankt und die Welt buchstäblich aus dem Takt gerät, müssen ihre kleinen Vertrauten einspringen. Als Maus sammeln wir Zutaten, brauen Tränke, helfen den Bewohnern der Welt und versuchen, die verlorene Harmonie wiederherzustellen. Das alles findet in einer offenen, von Nordschweden inspirierten Landschaft statt.

Und ja: Die Maus ist wirklich verdammt knuffig.

Ein virtuelles Waldbad mit Maus

Dass Hela derart friedlich daherkommt, ist keine zufällige Nebenwirkung des Artstyles. Wind-Up Games möchte ganz bewusst einen Gegenpol zum manchmal ziemlich hektischen Alltag schaffen.

Alexander Benitez, Head of Studio bei Wind-Up Game, beschreibt die Idee im Gespräch mit ICO-Radio so: „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem man einfach vorbeikommen, auftanken und gewissermaßen ein virtuelles Waldbad nehmen kann.“

Und dieses Ziel erkennt man schon nach kurzer Zeit. Gräser bewegen sich im Wind, zwischen den Pflanzen wirken selbst gewöhnliche Gegenstände aus Mäuseperspektive plötzlich riesig und überall gibt es Kleinigkeiten zu entdecken. Statt uns permanent mit Markierungen und Aufgaben zuzuschütten, möchte Hela dazu bringen, auch einmal einen Umweg zu nehmen.

Infos zum Spiel

  • Release: 4. Quartal 2026
  • Plattform: PS5, Xbox Series X|S, PC, Nintendo Switch 2
  • Entwickler: Wind Up Games
  • Offizielle Website

Benitez nennt im Gespräch ein schönes Beispiel: Irgendwo schimmert etwas, also läuft man hin, zieht daran – und entdeckt vielleicht plötzlich einen Bau, einen neuen Weg oder einfach nur einen Hut für die eigene Maus. Nicht alles muss einen großen spielerischen Zweck erfüllen. Manches darf offenbar einfach da sein, weil Entdecken Spaß macht. Das klingt banal, ist aber gerade für ein Spiel wie Hela wichtig. Eine hübsche Welt allein reicht nämlich selten über viele Stunden. Sie muss auch genügend Gründe liefern, sich mit ihr zu beschäftigen.

Unravel lässt grüßen

Besonders interessant wurde unsere Anspielsession bei den Rätseln. Denn spätestens hier musste ich ziemlich schnell an Unravel denken – und insbesondere an Unravel Two.

Nicht unbedingt, weil Hela dessen Mechaniken kopieren würde. Vielmehr entsteht ein ähnliches Gefühl, wenn zwei Spieler überlegen, wer wo stehen muss, welchen Gegenstand man bewegt und wie man sich gegenseitig zum Ziel bringt. Das kann sehr spaßig sein. Und gelegentlich auch etwas fummeliger, als die putzige Präsentation zunächst vermuten lässt.
Genau dieser Vergleich ist übrigens gar nicht so weit hergeholt. Auch Benitez spricht über Unravel und sieht einen entscheidenden Unterschied im Aufbau:

„Bei einem 2D-Spiel wie Unravel muss man die Rätsel lösen, um weiterzukommen. Bei uns ist die Welt offen und nicht linear. Man kann dem relativ geradlinigen Hauptweg folgen, aber es wird auch komplexere Rätsel geben.“ – Alexander Benitez, Head of Studio, Wind-Up Games“

Das könnte sich als eine der cleversten Entscheidungen von Hela erweisen. Denn schwierigere Aufgaben sollen die Spieler nicht plötzlich vor eine Wand stellen. Wer ein bestimmtes Rätsel nicht lösen kann oder schlicht keine Lust darauf hat, muss nicht zwangsläufig eine halbe Stunde an derselben Stelle verbringen. Der gemütliche Charakter des Spiels bleibt damit zumindest theoretisch erhalten, ohne dass Wind-Up Games sämtliche Herausforderungen aus dem Weg räumen muss.

Mehr Mäuse, mehr Chaos

Hela lässt sich solo spielen, zu zweit im lokalen Splitscreen oder mit bis zu vier Spielern online. Für Solospieler gibt es sogenannte Shades, mit deren Hilfe sich Aktionen anderer Figuren nachbilden und dadurch auch eigentlich auf Kooperation ausgelegte Aufgaben alleine erledigen lassen.

Im Mehrspielerbetrieb verändert sich das Spielgefühl allerdings deutlich.

„Je mehr echte Spieler dabei sind, desto chaotischer wird es“, erzählt Benitez und ergänzt, dass daraus schnell allerlei Unsinn entstehe. Spieler würden versuchen, sich gegenseitig auf Bäume zu befördern oder schlicht ausprobieren, was die Physik des Spiels eigentlich alles zulässt.

Das konnten wir in Ansätzen bereits nachvollziehen. Gerade zusammen machen die kleinen physikbasierten Aufgaben Spaß, weil eben nicht immer alles so funktioniert, wie es ursprünglich geplant war. Und bekanntlich sind zwei Spieler, die gleichzeitig an derselben vermeintlich simplen Aufgabe scheitern, zumindest schon einmal doppelt so unterhaltsam.

Trotzdem bleibt genau hier für mich noch ein Fragezeichen.

Die ruhige Welt, die kleine Maus und dieses fast schon intime Abenteuer funktionieren wunderbar, wenn man allein oder zu zweit unterwegs ist. Mit drei oder vier Spielern dürfte Hela zwangsläufig lauter und chaotischer werden. Ob dabei etwas von seinem besonderen Charme verloren geht oder gerade daraus eine zweite Stärke entsteht, muss die fertige Version zeigen.

Ein bisschen Trine steckt ebenfalls drin

Und damit kommen wir zu einem zweiten Vergleich, der sich während des Spielens langsam aufdrängte: Trine.

Natürlich sind beide Spiele strukturell sehr unterschiedlich. Hela besitzt eine offene 3D-Welt und wirkt deutlich stärker auf Entschleunigung und Erkundung ausgelegt. Trotzdem gibt es diese gemeinsamen Momente, in denen mehrere Spieler mit unterschiedlichen Möglichkeiten vor einer Aufgabe stehen und gemeinsam herausfinden müssen, was die Entwickler eigentlich von ihnen wollen.

Wenn Wind-Up Games es schafft, seine physikbasierten Rätsel über die gesamte Spielzeit abwechslungsreich zu halten und den Koop-Modus nicht lediglich mit mehr Mäusen, sondern tatsächlich mit interessanten Situationen zu füllen, könnte Hela durchaus in eine ähnliche Kerbe schlagen.

Bis dahin muss die kleine Maus allerdings noch ein paar sehr große Fußstapfen ausfüllen.

Der Frosch auf dem Rücken

Eine zentrale Rolle übernimmt dabei ausgerechnet der kleine Froschrucksack der Maus. Entwickler Wind-Up Games nennt ihn „Froggy“ – und der ist erheblich mehr als nur ein putziges Accessoire.

Mit ihm lassen sich Gegenstände greifen, Ressourcen sammeln und Teile der Umgebung manipulieren. Gleichzeitig erweitert er die Bewegungsmöglichkeiten der Maus und bildet damit einen wichtigen Teil vieler Rätsel. Die Kombination aus sehr kleinem Charakter und vergleichsweise realistischer Umgebung sorgt dabei immer wieder für Situationen, in denen gewöhnliche Dinge plötzlich zu kleinen Hindernisparcours werden.

Die Idee der Maus entstand laut Benitez genau aus diesem Größenverhältnis.

Man habe von Anfang an mit einer sehr kleinen Figur in einer realistisch wirkenden Welt arbeiten wollen. Eine Hexe brachte das Team schließlich auf mögliche Vertraute wie Katzen, Frösche oder eben Mäuse. Die Wahl fiel auf Letztere – und durch den magischen Froschrucksack wurde aus der ohnehin agilen Maus schließlich der Held, den wir jetzt durch Hela schicken.

Knuffigkeitsfaktor: erfolgreich erfüllt.

Wenn der Wald die Musik übernimmt

Für ICO-Radio dürfte allerdings ein anderer Punkt mindestens genauso interessant sein: der Soundtrack.

Für die Musik konnte Wind-Up Games Frida Johansson und Henrik Oja gewinnen – also jenes Komponistenduo, das bereits maßgeblich den musikalischen Charakter von Unravel geprägt hat. Dass die Ähnlichkeit in der Atmosphäre gelegentlich durchschimmert, ist entsprechend kein Zufall. Die beiden komponieren auch den Soundtrack von Hela, der unter anderem Bestandteil der angekündigten Harmony Edition sein wird.

Noch spannender ist aber, wie Wind-Up Games Musik einsetzen möchte. Sie soll nicht permanent über der Spielwelt liegen. Entfernt man sich von Häusern und größeren Aufgaben und läuft einfach durch die Natur, treten stattdessen Vögel, Waldgeräusche und die eigentliche Umgebung stärker in den Vordergrund. Nähert man sich wichtigen Orten oder Story-Momenten, soll sich die Musik dynamisch wieder dazuschalten.

Benitez erklärt den Ansatz so: „Wir wollen Musik nicht ständig auf voller Lautstärke einsetzen, weil sie sonst irgendwann nur noch Hintergrund wird. Wenn Emotion gefragt ist, soll sie diese tragen – aber wir wollen Spielern auch die Ruhe geben, einfach den Wald zu erleben.“

Das passt erstaunlich gut zum gesamten Konzept. Besonders schön ist zudem, dass Musik nicht nur Begleitung sein soll. Benitez bezeichnet sie als einen „roten Faden“ des Spiels – schließlich geht es auch erzählerisch darum, die verlorene Harmonie der Welt wiederherzustellen.

Für ein Spiel, das Entschleunigung derart offensiv zum Teil seines Konzepts macht, könnte gerade dieser Wechsel zwischen Score und natürlicher Geräuschkulisse enorm wichtig werden.

Kann die Maus ihren Charme behalten?

Nach unserer ersten Runde ist Hela: of Mice & Magic deshalb vor allem eines: sympathisch. Warme Farben, niedliche und detaillierte Animationen und die Welt ist wunderschön.

Die Maus möchte man vermutlich innerhalb der ersten fünf Minuten adoptieren und die Mischung aus Erkundung, Physik und Koop-Rätseln funktioniert bereits erstaunlich gut. Gleichzeitig wird die entscheidende Frage sein, ob Wind-Up Games aus diesen einzelnen charmanten Situationen über mehrere Stunden hinweg ein abwechslungsreiches Abenteuer formen kann.

Besonders gespannt bin ich auf den Koop-Modus mit drei oder vier Spielern. Der Entwickler sieht gerade im entstehenden Chaos einen Teil des Spaßes. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob Hela dadurch gewinnt oder ob aus dem virtuellen Waldbad irgendwann doch eher ein Mäuse-Kindergeburtstag wird. Beides kann lustig sein. Nur eben auf völlig unterschiedliche Art.

Ersteindruck

Hela macht nach unserer ersten Session vieles richtig: Die kleine Maus ist sofort sympathisch, die nordisch inspirierte Welt wunderschön und die Rätsel erinnern angenehm an Unravel, ohne dessen linearen Aufbau zu kopieren. Gerade im Koop entstehen witzige, manchmal überraschend fordernde Momente. Offen bleibt, ob die ruhige Atmosphäre mit drei oder vier Spielern nicht zu sehr im Chaos versinkt. Behält Hela seinen Charme auch dann, könnte Wind-Up Games hier sogar in Trine-Gefilde vorstoßen.


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