
Jason Graves kehrt für Supermassive Games zurück: Der Soundtrack zu Directive 8020 verbindet sterile Corporate-Klänge, Sci-Fi-Paranoia und jenen direkten Horror-Puls, den man schon aus Dead Space und Until Dawn kennt.
Wenn Supermassive Games ein neues Horrorspiel ankündigt, darf man mit Entscheidungen rechnen, die weh tun. Mit Figuren, denen man besser nicht zu früh vertraut. Und mit einer Inszenierung, die Horror weniger im Flüsterton erzählt, sondern gerne mit voller Kinowucht. Directive 8020 setzt diese Linie nun im All fort – und der passende Soundtrack ist ab sofort auf den großen Musikplattformen verfügbar.
Drei Töne gegen die Angst
Komponiert wurde die Musik von Jason Graves, zweifachem BAFTA-Gewinner und einem Namen, den Horror-Fans nicht erst seit gestern kennen. Graves schrieb unter anderem Musik für Dead Space, Tomb Raider, Until Dawn und The Dark Pictures Anthology. Gerade bei Dead Space blieb sein Umgang mit Streicherattacken, nervöser Dissonanz und plötzlicher Eskalation im Gedächtnis: Musik, die nicht nur begleitet, sondern den Puls gleich mit übernimmt. Auch in Until Dawn arbeitete Graves bereits für Supermassive Games – damals weniger subtil, mehr „Horrorfilm am Controller“, aber genau deshalb passend zur verschneiten Teenie-Slasher-Kulisse. Ein schönes Detail aus dieser Arbeit: Graves nutzte dort unter anderem eine Ziegenhuf-Rassel, um dem Bergsetting eine eigene, leicht archaische Klangfarbe zu geben.
Für Directive 8020 wählt Graves nun einen anderen, aber ähnlich präzisen Ansatz. Im Zentrum steht ein schlichtes Drei-Noten-Motiv, das zunächst als überfreundliche Corporate-Musik erscheint. Es taucht immer dann auf, wenn das Firmenlogo im Spiel sichtbar wird – sauber, beruhigend, fast zu glatt. Auch UI-Sounds, Pieptöne und Sounddesign wurden bewusst auf diese Tonwelt abgestimmt. Die Cassiopeia klingt dadurch zunächst wie ein funktionierendes System. Ein Schiff, das Sicherheit verspricht.
Infos zum Directive 8020 Soundtrack

- Komponist: Jason Graves
- Release: Jetzt erhältlich
- Soundtrack anhören
- Offizielle Games-Website
Nur ist Sicherheit in einem Supermassive-Spiel bekanntlich selten mehr als eine höfliche Lüge. Sobald die Lage kippt, zerfällt auch die akustische Ordnung. Die zuvor harmonischen Signale wirken falsch, verstimmt, disjunkt. Besonders der Track „Little Star“ legt laut Graves die eigentlichen Absichten hinter der freundlichen Oberfläche frei. Dazu kommt ein musikalisches Konzept für die außerirdische Kreatur: gebogene, unberechenbare Noten, die sich ohne klare Logik verschieben – mal nur irritierend, mal offen bedrohlich. Ein passender Kniff für ein Wesen, das seine Beute imitieren kann.
Zwischen Hyperschlaf und Jazz-Flashback
Inhaltlich schickt Directive 8020 die Crew des Kolonieschiffs Cassiopeia zwölf Lichtjahre von der Erde entfernt nach Tau Ceti f. Die Menschheit sucht einen Ausweg, doch nach der Bruchlandung wird schnell klar: Der Planet ist keine leere Rettungsinsel. Ein Organismus jagt die Crew und kann ihre Gestalt annehmen. Vertrauen wird damit zur gefährlichsten Ressource an Bord.
Mit Lashana Lynch als Astronautin Brianne Young setzt Supermassive erneut auf filmische Gesichter, verzweigte Entscheidungen und Survival-Druck. Graves gibt Young mit „Young Eyes Open“ ein eigenes Thema: hoffnungsvoll, aber schon von dunkleren Klangspuren durchzogen. Überraschender wird es in „Young At Heart“, wo das Motiv in ein Jazz-Trio wandert – ein Flashback zwei Tage vor dem Start und ein kurzer Moment, in dem der Score bewusst aus der Horrorlogik ausbricht.
Der Soundtrack umfasst zwölf Tracks, darunter „Welcome To The Corinth Family“, „Tau Ceti f“, „Twelve Light-Years From Earth“ und „Cetus Constellation“. Streamen und herunterladen lässt sich das Album ab sofort unter anderem über Spotify, YouTube und Bandcamp.



