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Bart van de Sande
Copyright: Bart van de Sande

Für News Tower trifft Zeitungsstress auf New Yorker Jazz der 1930er. Lead developer und Komponist Bart van de Sande spricht über Morsecode im Spiel, historische Recherche und einen Soundtrack, der in nur einem langen Tag eingespielt wurde.


News Tower ist ein Aufbauspiel über Zeitungsproduktion, Deadlines und die kleinen Dramen des Redaktionsalltags – nur eben im New York der 1930er-Jahre. Zwischen Druckmaschinen, Schlagzeilen und wachsendem Wochenstress spielt auch die Musik eine zentrale Rolle: Jazz, aber nicht als bloße Tapete, sondern als Taktgeber für Tempo, Atmosphäre und Deadline-Druck.

Wir haben mit Bart van de Sande, den Lead developer und Komponist bei über den Soundtrack von News Tower gesprochen: über versteckte Details, echte historische Ereignisse, die Arbeit in einem Vier-Personen-Team – und darüber, warum ausgerechnet das Stück für die Druckmaschinen im Studio zum Ohrwurm wurde.

„Man muss wirklich darauf achten“

ICO-Radio: Welches Detail im Spiel ist so versteckt, dass es vermutlich kaum jemand bemerken wird – auf das du aber trotzdem besonders stolz bist?

Bart van de Sande: Die Telegrafen-Lampen senden tatsächlich echten Morsecode. Das ist also etwas, worauf man wirklich sehr genau achten muss, um es zu bemerken. Gleichzeitig deutet es an, welche Art von Nachrichten man bekommen wird.

ICO-Radio: Welcher Aspekt eurer Arbeit an News Tower wird deiner Meinung nach am meisten unterschätzt?

Bart van de Sande: Viele Leute merken gar nicht, wie viel Recherche in die historische Erzählung geflossen ist. Es gibt über 3.000 reale Nachrichtenereignisse im Spiel, und alle wurden manuell eingetragen – inklusive ihrer Werte, Statistiken und Tags.

„Nicht wie Charlie-Parker-Bebop“

ICO-Radio: Wir haben schon ein wenig darüber gesprochen, aber was ist für dich das Besondere am Soundtrack?

Bart van de Sande: Er wurde während des Covid-Lockdowns in den Niederlanden aufgenommen. Die Musiker, die ihn eingespielt haben, sind Mitglieder der Band The New Cool Collective, einer bekannten niederländischen „kleinen“ Big Band.

Wir haben ihnen die Noten ein paar Tage vorher gegeben – und sie haben es absolut auf den Punkt gebracht. Das komplette Album mit 14 Tracks haben wir an einem einzigen, sehr langen Tag aufgenommen.

ICO-Radio: Jazz hat als Genre von Natur aus eine starke Präsenz und kann schnell sehr viel Raum einnehmen. Hattet ihr Sorge, dass der Soundtrack zu dominant wirken oder das Spiel überlagern könnte? Wie habt ihr die Balance zwischen Gameplay und Atmosphäre gefunden?

Bart van de Sande: Beim Komponieren der Gameplay-Stücke hatte ich immer im Hinterkopf, dass die Melodien nicht zu aufdringlich sein sollten. Es ist also keine Musik wie Charlie-Parker-Bebop.

Außerdem wussten die Musiker, dass sie für ein Videospiel spielen. Deshalb haben sie ihre Improvisationen relativ subtil gehalten. Auch die Lautstärke im Spiel hat großen Einfluss darauf, wie intensiv die Musik wahrgenommen wird. Während des Spielens wird sie mit den Umgebungsgeräuschen und Soundeffekten gemischt – dadurch fühlt sie sich natürlicher an.

Der Klang eines frischen Wochenstarts

ICO-Radio: Wie arbeitet ihr mit Stille?

Bart van de Sande: Ich glaube nicht, dass es im Spiel wirklich komplett stille Momente gibt. Einige der Ambient-Tracks fühlen sich aber sehr leer an. Wenn man die Woche beginnt, hört man zum Beispiel nur ein wenig Klavier und Straßengeräusche. Das vermittelt das Gefühl eines frischen Starts.

ICO-Radio: Gibt es Stücke, die für das Entwicklerteam eine besonders persönliche Bedeutung haben?

Bart van de Sande: Alle summen ständig das Druckmaschinen-Stück. Das ist ausgerechnet das eine Stück, das nicht von mir komponiert wurde, sondern von Jack van de Ven. Ich bin also natürlich beleidigt. Kleiner Scherz.

ICO-Radio: Plant ihr, den Soundtrack auch separat zu veröffentlichen – etwa als Album oder auf Streaming-Plattformen? Ich könnte mir vorstellen, dass viele Spielerinnen und Spieler ihn auch außerhalb des Spiels hören möchten.

Bart van de Sande: Der Soundtrack ist bereits auf Streaming-Plattformen verfügbar! Es gibt vielleicht Pläne, ihn auch auf Vinyl zu veröffentlichen. Das hängt aber ein wenig davon ab, wie der Release läuft.

ICO-Radio: Vielen Dank für das Interview!


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