
IO Interactive schickt James Bond zurück ins Spiel – doch First Light wirkt noch wie ein Agent ohne klaren Auftrag. Nicole hat sich den neuen 007 einmal angeschaut.
James Bond ist zurück – und diesmal trägt er eine Narbe. Ein Detail, das Fans der klassischen Filmfigur zunächst irritieren dürfte, sich aber eher an den literarischen Ursprung von Ian Fleming anlehnt. Trotzdem: Die Version von Bond, die 007 First Light hier präsentiert, wirkt ungewohnt jung, fast unerfahren – einerseits ja auch gewollt, doch genau das sorgt für Reibung. Denn während die Figur erzählerisch auf einen Werdegang abzielt, fehlt ihr im aktuellen Stand noch die ikonische Souveränität, die man mit 007 verbindet.
Lizenz trifft Leveldesign: Zu viel Hitman im Bond?
Dass IO Interactive hinter dem Projekt steht, merkt man dem Spiel sofort an. Die Missionen, das Leveldesign und die Herangehensweise schreien förmlich nach Hitman: offene Areale, mehrere Lösungswege und ein Fokus auf Stealth statt Action. Das funktioniert handwerklich gut – fühlt sich aber gleichzeitig vertraut bis vorhersehbar an.
Gerade bei den Gegnern zeigt sich das: Die KI agiert oft erstaunlich simpel. Eine „geworfene Münze“ hier, ein kurzer Schlenker dort – und schon lässt sich ein Sicherheitsbereich nahezu problemlos umgehen. Auch alternative Wege in Gebäude oder das Ausschalten von Gegnern folgen bekannten Mustern. Das ist effizient, aber wenig überraschend. Man merkt: Hier wird auf bewährte Systeme gesetzt, statt eine eigene Bond-Formel zu etablieren.
Infos zum Spiel
- Release: 27. Mai 2026 (Switch 2: Sommer 26)
- Plattform: PS5, Xbox Series X|S, PC, Nintendo Switch 2
- Entwickler: IO Interactive
- Offizielle Website
Stil, Sound und die Bond-DNA
Wo First Light jedoch punktet, ist die Inszenierung. Gadgets und Dialoge treffen den Ton der Figur deutlich besser – charmant, leicht ironisch, manchmal augenzwinkernd überzeichnet. Genau hier blitzt das auf, was das Spiel sein könnte.
Besonders hervorzuheben ist das Sounddesign: dicht, hochwertig produziert und klar auf Atmosphäre getrimmt. Die musikalische Ausrichtung orientiert sich spürbar an klassischen Bond-Themen – mit orchestralen Elementen, treibenden Rhythmen und jazzigen Einschlägen, die an die Tradition der Filmreihe erinnern. Gleichzeitig setzt der Score auf moderne Produktion: Hybrid-Soundtracks mit elektronischen Layern, die Spannung aufbauen, ohne die ikonische Klangfarbe komplett zu verlassen. Ein Spagat, den Dominic Vega (Missions & Audio Director) hervorragend hinbekommt. Ebenfalls lobend zu erwähnen ist der in-game Soundtrack von The Flight, die auch schon Klangwelten für Alien: Isolation, Horizon: Zero Dawn, Assassin’s Creed Odyssey und Horizon Forbidden West komponiert haben-
Der Titelsong (geschrieben von Lana Del Rey und Komponist David Arnold) wirkt entsprechend aufwendig inszeniert – fast schon wie ein filmischer Auftakt, der bewusst an die großen Bond-Openings anknüpft. Arnold, der bereits für Der Morgen stirbt nie, Die Welt ist nicht genug, Stirb an einem anderen Tag, Casino Royale und Ein Quantum Trost für die musikalische Untermalung gesorgt hatte, schafft mir Del Rey ein stimmiges Stück Musik. Das Entwicklertagebuch „Beyond The Light“ beschäftigt sich nochmal explizit mit dem Soundtrack zu 007 First Light.
Fazit:
007 First Light bringt viele starke Einzelteile mit: ein funktionierendes Gameplay-Gerüst, stimmiges Sounddesign und erste Ansätze für Bond-typischen Charme. Gleichzeitig fehlt dem Spiel aktuell noch eine klare eigene Identität – zu nah an Hitman, zu wenig eigenständiger 007. Entscheidend wird sein, wie stark die Story den jungen Bond formt. Denn erst wenn Figur, Inszenierung und Gameplay wirklich zusammenfinden, wird aus First Light mehr als nur ein gutes Agentenspiel – nämlich ein echtes James-Bond-Erlebnis.









