
Es gibt Songs, die gehören nicht einfach in eine Playlist. Sie gehören zu einem Menschen, einem Sommer oder genau diesem einen Moment, den man längst vergessen glaubte. Mixtape macht daraus ein wunderschönes Coming-of-Age-Abenteuer über Freundschaft, Abschied und die Erkenntnis, dass jeder Lebensabschnitt nur einmal kommt. Ein bisschen absurd, manchmal herrlich albern – und erstaunlich berührend.
Manche Songs hört man und ist sofort wieder 16. Im Kinderzimmer, auf einer Party oder neben genau der Person, die damals wichtiger war als alles andere. Andere Stücke werden dagegen zu musikalisch verbrannter Erde, weil an ihnen Erinnerungen hängen, die man vielleicht lieber dort lassen möchte, wo sie sind.
Mixtape versteht dieses Gefühl verdammt gut.
Das Adventure von Beethoven & Dinosaur begleitet Stacey Rockford und ihre Freunde Slater und Cassandra durch ihre letzte gemeinsame Nacht, bevor Stacey die Stadt verlässt. Auf dem Weg zur letzten großen Party erinnern sich die drei an gemeinsame Erlebnisse, Freundschaft, erste Liebe und jene Katastrophen, die als Teenager garantiert das Ende der Welt bedeuten.
Erwachsenwerden ist manchmal ziemlich bescheuert
Mixtape romantisiert diese Zeit nicht einfach. Natürlich geht es um große Gefühle und die Angst davor, dass plötzlich alles anders wird. Dazwischen darf das Spiel aber genauso albern, laut und absurd sein.
Spielerisch äußert sich das in zahlreichen kleinen Minigames und interaktiven Erinnerungen. Mal bewegen wir uns auf dem Skateboard durch die Straßen, mal wird aus einem eigentlich banalen Erlebnis plötzlich eine komplett überzeichnete Sequenz. Diese Einlagen könnten schnell wie Fremdkörper wirken, tun sie aber erstaunlicherweise nicht. Stattdessen passen sie zu der Art, wie Erinnerungen funktionieren: Manche Momente bleiben realistisch im Kopf, andere werden mit jedem Jahr ein bisschen größer und bekloppter.
Das eigentliche Gameplay stellt dabei selten hohe Ansprüche. Mixtape möchte weniger herausfordern als mitnehmen. Und das funktioniert, weil die kurzen spielerischen Passagen immer wieder den Rhythmus verändern, ohne den Erzählfluss zu zerlegen.
Infos zum Spiel
- Release: 7. Mai 2026
- Plattform: PS5, Xbox Series X|S, PC, Nintendo Switch 2
- Entwickler: Beethoven & Dinosaur
- Offizielle Website
Wenn ein Song plötzlich wieder nach damals klingt
Dass Mixtape so gut funktioniert, liegt entscheidend an seiner Musik. Der lizenzierte Soundtrack ist hier keine nette Playlist im Hintergrund, sondern Fundament des gesamten Spiels. Joy Division, DEVO, The Cure, The Smashing Pumpkins, Siouxsie and the Banshees und weitere Künstler begleiten nicht einfach Erinnerungen – ganze Szenen wurden um ihre Songs herum gebaut.
Genau darin liegt die große Stärke. Musik ist für Stacey, Slater und Cassandra genauso mit Orten, Menschen und Erfahrungen verbunden wie für uns selbst. Manchmal genügt deshalb ein Songwechsel und der Ton einer Erinnerung verändert sich komplett. Mixtape erzählt damit sehr schön, warum Musik Erinnerungen konservieren kann wie kaum etwas anderes.
Neben den lizenzierten Songs stammt der Original-Score von Josh Abrahams, der zusätzlich für Soundeffekte sowie Musik- und Dialogschnitt verantwortlich zeichnet. Die eigens komponierten Stücke füllen die Zwischenräume, ohne mit den großen Songs konkurrieren zu wollen. Zusammen mit der Soundkulisse entsteht dadurch ein geschlossenes Ganzes.
Auch die englische Synchro überzeugt. Bella DeLong spricht Stacey, Max Korman Slater und Jessica Ma Cassandra. Gerade ihre natürliche Dynamik trägt erheblich dazu bei, dass die Freundschaft glaubwürdig wirkt. Selbst beiläufige Gespräche besitzen dieses leicht chaotische Timing einer Gruppe, die sich schon lange kennt.
Drei Freunde und diese eine letzte Nacht
Genau von diesen Figuren lebt das Spiel. Stacey, Slater und Cassandra fühlen sich nicht wie drei Stellvertreter für typische Teenagerprobleme an, sondern wie Freunde mit gemeinsamer Geschichte. Ihre Gespräche schwanken zwischen Unsinn, Unsicherheit und erstaunlich ehrlichen Momenten.
Dabei steckt hinter der ganzen Nostalgie eine ziemlich einfache Erkenntnis: Man weiß selten, dass man gerade einen Lebensabschnitt zum letzten Mal erlebt. Irgendwann ist die gemeinsame Schulzeit vorbei, jemand zieht weg und aus einem selbstverständlichen Alltag wird plötzlich Erinnerung.
Das Abenteuer endet deshalb beinahe zu schnell. Gerade wenn man das Trio wirklich ins Herz geschlossen hat, würde man gerne noch etwas länger bleiben. Als Kritikpunkt bleibt die überschaubare Spielzeit bestehen – gleichzeitig passt dieses Gefühl fast schon unverschämt gut zum Thema. Schöne Momente sind eben häufig genau dann vorbei, wenn man gerade verstanden hat, wie schön sie eigentlich waren.
Ein Comic, den man selbst erlebt
Optisch passt dazu der stark stilisierte Comic-Look. Farben, Animationen und teilweise völlig überdrehte Inszenierungen geben Mixtape etwas von einem animierten Musikvideo, ohne dass die ruhigeren Szenen darin untergehen. Gerade diese Mischung macht den Charme aus. Das Spiel kann innerhalb weniger Minuten albern, romantisch, traurig und vollkommen bescheuert sein – also ungefähr so wie das Erwachsenwerden selbst.
Fazit:
Mixtape ist eine wundervolle Hommage ans Erwachsenwerden und an die Songs, die einzelne Kapitel unseres Lebens für immer markieren. Der Comic-Look ist wunderschön, die absurden Minigames fügen sich überraschend gut ein und Stacey, Slater und Cassandra tragen das Abenteuer mit glaubwürdiger Freundschaft und sympathischen Dialogen. Vor allem die Verbindung aus lizenzierten Songs, Josh Abrahams’ Score und hervorragender Vertonung macht aus dem Spiel einen musikalischen Erinnerungstrip, der sehr oft eigene Erinnerungen wachruft. Nur länger hätte er sein dürfen. Aber vielleicht gehört auch genau das dazu.






