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Lost & Found: A This Bed We Made Story Test
Lost & Found: A This Bed We Made Story – Copyright: Lowbirth Games

Neuer Job, neues Setting – alte Angewohnheiten. Einige Jahre nach This Bed We Made kehrt Sophie Roy zurück und kann auch auf der Orpheus ihre Finger nicht von fremden Angelegenheiten lassen. Lost & Found bleibt den Stärken des Vorgängers treu: interessante Figuren, nachvollziehbare Rätsel und ein starkes Setting. Nur die großen Entscheidungen entpuppen sich erneut eher als kleinere Kurskorrekturen.


Schon im Clarington Hotel von This Bed We Made war ziemlich schnell klar: Sophie Roy möchte man vielleicht als Freundin haben, als Zimmermädchen aber eher nicht. Dafür interessiert sie sich entschieden zu sehr für Briefe, Schubladen und generell Dinge, auf denen sinngemäß „geht dich nichts an“ steht.

Lost & Found: A This Bed We Made Story setzt einige Jahre später, 1964, wieder bei Sophie an. Aus dem Hotel wurde der Transatlantikdampfer Orpheus, aus dem Zimmermädchen eine Stewardess. Als Passagieren persönliche Gegenstände abhandenkommen, dauert es erwartungsgemäß nicht lange, bis ihre Neugier wieder die Oberhand gewinnt. Das eigenständige Kurzabenteuer ist auf rund ein bis zwei Stunden ausgelegt und funktioniert auch ohne den Vorgänger, gewinnt mit dessen Kenntnis aber deutlich an Kontext.

Sophie ist noch immer keine Miss Marple

Gerade Sophie war für mich schon im Vorgänger eine interessante, aber nicht immer leicht greifbare Figur. Mal wirkt sie beinahe naiv, im nächsten Moment kombiniert sie erstaunlich clever oder überschreitet Grenzen mit einer Selbstverständlichkeit, bei der man unweigerlich denkt: Sophie, vielleicht lässt du die Schublade diesmal einfach zu.

Von einer Miss Marple ist sie trotzdem ein gutes Stück entfernt. Das ist allerdings eher Stärke als Schwäche, denn Lost & Found zeichnet sie etwas gesetzter und markanter. Ihre Neugier bleibt ein wesentlicher Teil ihrer Persönlichkeit, wirkt aber weniger zufällig als noch im Clarington Hotel.

Auch die übrigen Charaktere funktionieren gut. Das überschaubare Ensemble bekommt genügend Persönlichkeit, damit die verschwundenen Gegenstände nicht bloß als Anlass für ein paar Rätsel dienen. Das Schiff erweist sich dafür erneut als starkes Setting: enge Kabinen und Flure erzeugen einen abgeschlossenen kleinen Mikrokosmos, in dem Sophie zwangsläufig immer wieder über dieselben Menschen und deren Geheimnisse stolpert.

Infos zum Spiel

  • Titel: Lost & Found: A This Bed We Made Story
  • Release: 5. August 2026
  • Entwickler: Lowbirth Games
  • Offizielle Website

Rätsel für Menschen – nicht für Adventure-Alchemisten

Spielerisch bleibt Lowbirth Games dem bekannten Prinzip treu. Zimmer aufräumen, Gegenstände untersuchen, Dokumente lesen und aus kleinen Details größere Zusammenhänge ableiten. Das funktioniert angenehm flüssig und vor allem nachvollziehbar. Die Rätsel verlangen Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen und ein wenig Kombinationsfähigkeit, ohne irgendwann jene alte Adventure-Logik auszupacken, bei der drei zufällige Gegenstände zusammen plötzlich die Lösung für ein völlig anderes Problem ergeben. Wer aufmerksam liest und seine Umgebung untersucht, kommt in der Regel weiter – und zu lesen gibt es wieder eine Menge.

Weniger stark bleiben für mich die Entscheidungen. Lost & Found wirbt erneut mit unterschiedlichen Beziehungen und möglichen Ausgängen, tatsächlich fühlen sich viele Entscheidungen aber eher wie erzählerische Färbung an als wie große Weggabelungen. Das stört den Mystery-Plot kaum, wer jedoch ein weit verzweigtes Entscheidungsspiel erwartet, dürfte erneut etwas ernüchtert sein.

Wenn das Schiff auch akustisch funktioniert

Sehr gelungen ist dagegen die akustische Seite. Victoria Diamond kehrt als englische Stimme von Sophie zurück und trifft ihren Mix aus Neugier, Unsicherheit und wachsendem Selbstbewusstsein überzeugend. Auch die übrigen Sprecher fügen sich gut in das kompakte Ensemble ein; vollständig vertont ist das Spiel auf Englisch und Französisch.

Für die Musik ist erneut Samuel Desrosiers verantwortlich, während David Caron Sounddesign und Music Supervision übernimmt. Der Score hält sich angenehm zurück und gibt Dialogen sowie der Umgebung genügend Raum. Gerade auf dem Schiff funktioniert das gut: Schritte, Türen, entfernte Geräusche und Gespräche sorgen dafür, dass sich die Orpheus trotz des kleinen spielbaren Bereichs glaubwürdig anfühlt.

Musik wird deshalb nicht zur Dauerbeschallung, sondern setzt eher Akzente. Das passt zu einem Spiel, das seine Spannung weniger aus großen dramatischen Momenten als aus Beobachtung und dem Gefühl zieht, gerade etwas gefunden zu haben, das man eigentlich gar nicht hätte sehen sollen.

Fazit:

Lost & Found ist kein großer Neuanfang, sondern eine gelungene kleine Fortsetzung dessen, was This Bed We Made bereits gut konnte. Die Orpheus ist ein starkes neues Setting, die Figuren sind interessant und Sophie wirkt deutlich konturierter als noch zu Beginn ihres ersten Abenteuers. Rätsel bleiben logisch und angenehm lösbar, während Musik, Soundkulisse und gute Sprecher viel zur Atmosphäre beitragen. Nur bei den Entscheidungen hätte ich mir weiterhin deutlichere Konsequenzen gewünscht. Wer Sophies notorische Neugier schon im Clarington Hotel mochte, darf deshalb bedenkenlos wieder anfangen, fremde Schubladen zu öffnen.


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